#1 Die Fledermaus von Frauke 19.08.2017 19:21

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Schon im letzten Jahr hatten eine Kieler Freundin, eine kleine befreundete Gruppe und ich den Vorsatz, endlich mal eine Oper(ette) bei den Eutiner Festspielen mitzuerleben. Unsere Entscheidung fiel auf die Fledermaus.

Zitat
. Johann Strauß’ Operette „Die Fledermaus“ ist unsterblich. Und gerade das macht es so schwierig, dieses Werk auf die Bühne zu bringen. Dominique Carons Inszenierung traf den Nerv des Publikums und sorgte so für einen gutgelaunten Einstieg in die Eutiner Festspiele.



Wir sind in Eutin angekommen, die Michaeliskirche ist schon von weitem zu sehen



Am Marktplatz



Eine Stadtbehörde!



Um zur Seebühne zu gelangen, muss man zunächst den Park durchqueren











Das Schloss lugt schon zwischen den Bäumen hervor. Wie man sieht, nimmt das Schicksal seinen Lauf, es sich durch den ganzen Abend





Die Intendantin der Eutiner Festspiele, Dominique Caron, stimmt von der Bühne aus die Besucher auf die Operette ein



Zitat
Dominique Caron hatte die Handlung in die quirligen 1920er Jahre verlegt, ein gelungener Schachzug der Intendantin der Festspiele. In Charleston-Kleidern und mit überlangen Zigarettenspitzen ausgestattete Damen (Kostüme: Martina Feldmann) sorgten immer wieder für sehenswerte Tableaus, die Herren im Frack sahen weitaus solider aus, als sie tatsächlich waren.
Die Regisseurin bebildert bereits die Ouvertüre, um die Vorgeschichte zu erzählen – und um deutlich zu machen, warum Dr. Falke eine so gewaltige Maschinerie in Gang setzt, um sich an seinem Kumpel Eisenstein für einen Fastnachtsstreich zu rächen. Im Mittelpunkt dieser Inszenierung steht dann auch Prinz Orlofsky, eine leicht zwielichtig angelegte Figur, von der man nicht weiß, ob es sich tatsächlich um einen Prinzen oder um eine Prinzessin handelt. In Wirklichkeit hat Dr. Falke die Person angeheuert, um seinen Ulk perfekt zu machen. Eisenstein tappt in alle Fallen, die Falke ihm stellt, und steht am Schluss wie ein begossener Pudel da, aber der Hauptschuldige war der Champagner. Darauf einigt man sich, Feierabend.
Schlüssig erzählt Dominique Caron ihre Version der „Fledermaus“. Und witzig noch dazu, in manchen Passagen jagt ein Kalauer den anderen. Davon sind einige zwar etwas altbacken, aber das stört das Publikum wenig. Auf der Bühne ist immer etwas los (Choreographie: Olaf Reinecke, Bühne: Ursula Wanderers), es ist Schwung in der Geschichte.
Und diesen Schwung verleiht auch das musikalische Geschehen. Dirigent Leo Sibers ki wählt sehr zügige Tempi, die Kammerphilharmonie Lübeck bewältigt ihre Aufgabe ganz ausgezeichnet. Dabei hatte sie eine für die „Fledermaus“ ungewöhnliche Einlage zu spielen. Prinz Orlowsky gibt das russische Volkslied „Schwarze Augen“ zum besten, zuerst in der Originalversion, dann im frühen Jazz-Stil der 1920er Jahre. In dieser Einlage kann die wunderbare Milana Butaeva als Prinz Orlofsky zusätzlich punkten. Ihre Darstellung des vermeintlichen Aristokraten ist doppeldeutig und hintergründig zugleich, stimmlich ist Milena Butaeva stets auf der Höhe.
Rosalinde, die Gattin Eisensteins, verkörpert Peggy Steiner mit vollem Einsatz und mit stimmlicher Wandlungsfähigkeit. Sie singt, tanzt und spielt, dass es eine wahre Freude ist. Michael Heim als Gabriel Eisenstein gibt den Lebemann mit Komik und sonorer Stimme.
Gesundheitlich schwer angeschlagen ging Ziad Nehme (Alfred) in den Abend, eine Erkältung war ihm auf die Stimmbänder geschlagen. Nehme kämpfte sich wacker durch seine Partie. Christian Oldenburg als Drahtzieher Dr. Falke sang und spielte sehr solide.
Stubenmädchen Adele wird von Steffi Lehmann in bester Soubretten-Tradition gespielt und gesungen. Auch diese Darstellerin ist ein Garant für Schwung auf der Bühne. Peter Paul als Gefängnisdirektor torkelt gekonnt über die Bühne.
Von „Frosch“ Elmar Gehlen hätte man sich einige aktuelle Gags mehr gewünscht. Gehlen machte ansonsten eine gute Figur als vollständig betrunkener Gefängniswärter. Der von Romely Pfund einstudierte Festspielchor ist mit Engagement bei der Sache, sängerisch und darstellerisch. Eine gute Leistung.
Insgesamt bietet dieser Abend zweieinhalb Stunden bester Unterhaltung. Das Leben kann eben leicht aus den Fugen geraten, wenn man sich gerne Gäste einlädt.





Bevor es beginnt, fotografiere ich noch rasch den Großen Eutiner See







So sieht das Ganze von oben aus:

Naturbühne

Es geht los, Dr. Eisenstein und sein Freund Dr. Falke kommen vom Maskenball zurück



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Gabriel von Eisenstein hat seinem Freund, den Notar Dr. Falke, einen üblen Streich gespielt: nach einer feuchtfröhlichen Nacht auf einem Maskenball hat er ihn im Kostüm einer Fledermaus betrunken auf einer Parkbank liegen lassen und ihn so – am nächsten Morgen – dem Gespött der Passanten ausgeliefert. Seitdem wird Falke nur noch „Dr. Fledermaus" genannt. Der Stachel sitzt tief. Er sinnt auf Rache und spinnt eine denkwürdige Intrige zusammen mit dem mysteriösen Prinz Orlofsky...



Adele, das Stubenmädchen spielt in dem Ringelreihen eine besondere Rolle









Wie man sieht, tragen die Darsteller zwischendurch immer wieder Regencapes ...



Regenbedingt sind die Bilder nicht von bester Qualität, außerdem konnte ich nicht anderen Zuschauern beim Fotografieren vor der Nase stehen.







Der Dirigent sieht nicht mal sein eigenes Orchester, da dieses ja geschützt unter einer großen Regenplane sitzt





Der mysteriöse Prinz von Orlofsky „Ich lade gerne mir Gäste ein“







Nach Auflösung der Irrungen und Verwirrungen heißt es zum Schluss „Champagner für alle“ – und auch in den Rängen hinter uns knallen die Sektkorken, irgendwie war schon alles egal, Regen von oben, Prosit auf die grandiose Darbietung, das Ensemble spielte toll. Da die 11. Aufführung auch die letzte in dieser Saison war, spielte man in Überlänge, aber wie gesagt, wen störte noch der Regen.

Zitat
„Die Fledermaus“ ist eine von Champagner beschwingte Geschichte, und als solche flirrt sie über die Eutiner Seebühne. Das Premierenpublikum freute sich über flotte Couplets und noch flottere Tanzszenen, vor allem beim Souper des Prinzen Orlofsky, der sich so gerne Gäste einlädt und ihnen mit einer überlangen Zigarettenspitze auf den Pelz rückt.











#2 RE: Die Fledermaus von Heidi 19.08.2017 20:08

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Liebe Frauke,

Du hattest Dir ein schönes Event aus gesucht.Es fand in einer
tollen Kulisse statt- Naturbühnen haben das gewisse etwas.
Wie schade, dass der
Regengott sich nicht zurück halten konnte.
Wie aber Deine Bilder zeigen tat es den zahlreichen Besuchern keinen Abbruch
und auch die Schauspieler ließen sich nicht vertreiben.So hattet ihre trotzdem
ein schönes Erlebnis.

Danke für Deinen Bericht

#3 RE: Die Fledermaus von Gitta 19.08.2017 20:58

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Liebe Frauke!

Es hat mir total Spaß gemacht, Deinen Beitrag zu lesen!
Was für eine tolle Kulisse. Von oben sieht man das besonders.
Auch der Park ist wunderschön und der See sowieso.
Die ganzen Zusatzinformationen sind sehr interessant.
Wie schade, dass es geregnet hat. Auch wegen der tollen Kostüme.
Trotz allem wird dieser Abend noch lange in Dir nachklingen.

Ich freue mich über solche Beiträge!

#4 RE: Die Fledermaus von Gaby 20.08.2017 06:58

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Liebe Frauke

Das war bestimmt ein ganz toller Abend.
Vor einigen Jahren waren wir auch in Eutin.
Die Stadt und auch das Schloss haben uns sehr gut gefallen.
Danke für den ausführlichen Bericht.

#5 RE: Die Fledermaus von VIOLETTA 20.08.2017 15:03

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Liebe Frauke

Als ich im Stammtisch von "Die Fledermaus" gelesen habe, wusste ich zuerst nicht ob Du die putzigen Tierchen meinst - oder die Oper
Aber das Bild hat alles erklärt.

Ich liebe dieses Stück und habe es schon öfters in diversen Opernhäusern gesehen. Die schwungvolle Musik gefällt mir so gut, dass ich die CD's im Auto habe.

Sooooooo schade, dass das Wetter nicht mitgespielt hat. Ich habe da leider auch so meine Erfahrungen

Die 20er - Jahre passen gut zu dieser Handlung. Und ich bin immer gespannt, wie die Rolle des "Frosch" mit aktuellen Ereignissen ergänzt wird. Das erste Mal, als ich die Fledermaus im Opernhaus in Zürich gesehen habe, war der "Maschendrahtzaun" sehr aktuell und das Publikum hat sich sehr amüsiert.

Eventuell geht es Dir gleich wie mir im Moment - es schwirren mir einige gängige Melodien im Kopf herum und die werde ich wohl bis heute Abend nicht mehr los !!

#6 RE: Die Fledermaus von Frauke 20.08.2017 18:24

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Violetta,
nein, die kleinen Batmen hatte ich nicht gemeint ;) Allerdings gebe ich zu, als - natürlich schon vor Wochen - die Karten bestellt wurden, befasste ich mich erstmalig mit dem Inhalt der Fledermaus, die Klassik-Kennerin gebe ich besser nicht vor Da die Operette so modern inszeniert war, gefiel es allen ungemein (bis auf den Regen ...) Die Musik reißt mit, fast wie ein Ohrwurm Im Feuerstrom der Reben

#7 RE: Die Fledermaus von BEA 22.08.2017 10:00

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Liebe Frauke.
Es ist immer ein Wagnis eine Open Air Veranstaltung zu besuchen. Ihr habt euch die Laune trotz des Regens nicht verderben lassen, und euch von der Aufführung mitreißen lassen. Auch die Darsteller haben sich nicht beirren lassen.
Der Park gefällt mir gut.
Vielen Dank für deinen Bericht aus Eutin